Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lukas 1,78-79 (L)

 

Liebe Leser,

diese Worte, die aus dem Lobgesang des Zacharias (Benedictus) des Lukasevangeliums stammen, lassen mich aufhorchen.

Einerseits bekannte, wohlvertraute Worte. Das Licht, das aus der Höhe kommt. Andererseits die Differenzierung, zu Wem dieses Licht kommt. Gerne halten wir uns in Verallgemeinerungen auf, dass das Licht zu allen Menschen kommt. Das unsere Welt , allgemein gesprochen, dunkel geworden ist und dass das Licht die ganze Welt erhellt.

Natürlich sind das wunderbare und schöne Vorstellungen, doch im Lobgesang des Zacharias erfährt das Licht eine Spezifizierung. Hier ist die Rede davon, dass das Licht zu denen kommt, die in Finsternis und Schatten sitzen. Also geht es nicht unbedingt um eine allgemeine Erleuchtung der Menschheit, sondern eher um eine persönliche, individuelle Erleuchtung einzelner Menschen, die „in Finsternis und Schatten des Todes“ leben.

Diese Beschreibung persönlicher Lebensumstände ist, wie ich finde, an Dramatik nicht zu überbieten. Aber genau in diese Lebensumstände will das Licht dieser Welt (Jesus Christus) hineinkommen. Wo Menschen erleben, dass der Tod nach ihnen und ihrem Leben greift, genau dort will ER hineinkommen. Dort, wo die Lebensumstände das Leben derart behindern, dass es als lebensunwert erscheint, ja genau dorthin will Jesus Christus, um Frieden zu bringen.

Also, was ist das Ziel seines Kommens?

Jesus Christus möchte die Menschen, die sich in dieser lebensbedrohlichen Lage befinden, auf den Weg des Friedens bringen. Im Hintergrund steht hier natürlich das hebräische Wort „Schalom“, welches man auch trefflich mit Liebe, Versöhnung, Zuversicht, Annahme oder sogar Heilung übersetzen könnte.

Die Möglichkeit sich mit seinem Leben und all seinen Umständen zu versöhnen (im umfassenden Sinn), das ist Christi Anliegen. Deshalb ist hier die Rede vom Weg des Friedens. Das geschieht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein stetiger Prozess, der Arbeit kostet. „Dieser Weg wird kein leichter sein“, doch wir müssen ihn nicht allein beschreiten, sondern Jesus Christus wird sich, durch den Heiligen Geist, den Menschen zuwenden, die sich die Mühe machen, diesen Weg zu gehen.

Dort wo Menschen sich auf diesen Weg des Friedens einlassen, wird der Tod mit seiner Dunkelheit und Schattenseiten weichen müssen, weil das Licht (Jesus Christus) immer mehr Raum in ihrem Leben einnehmen wird. Und auf diesem Weg werden Heilung des Geistes, der Seele und des Lebens im umfassenden Sinn stattfinden.

Doch es liegt an uns, dass wir uns auf diesen Weg des Friedens begeben — doch nur wie?

Indem wir anfangen Jesus Christus in unser Leben einzuladen und ihn bitten, das Ruder unseres Lebens zu übernehmen. Indem wir anfangen, den Menschen zu vergeben, die uns „böses“ angetan haben. Indem wir anfangen, zu schauen, was in unserem Leben schief läuft und mit Hilfe Jesu Christi wieder auf die gerade Bahn kommen.

Also nutzen wir die Zeit des Advents, welche auch immer eine Zeit der Besinnung und Rückschau ist, um mit unserem Leben „klar Schiff“ zu machen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine besinnliche und lichtreiche Adventszeit und möchte allen Lesern das Gebet des Baptistenpastors Martin Luther King mit auf den Weg geben:

Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte,
so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große segnende Kraft gibt, die Gott heißt.

Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen.
Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln, - zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.

Martin Luther King

 

Rainer Eisen