Liebe Besucherin, lieber Besucher unserer Homepage!

Corona (COVID-19) stürzt viele von uns in eine schwere Krise. Der Virus und die gegen ihn   durchgeführten   Maßnahmen   bedeuten   schmerzhafte   Einschnitte   finanzieller   und sozialer   Art.   Manche fürchten   um   ihre   Existenz   oder   verlieren   sogar   einen   geliebten Menschen. Keine Frage: Das ist kompromisslos tragisch! Daher stehe ich als Pastor jeder/jedem für ein seelsorgerliches Gespräch zur Seite, der/dem die derzeitige Ausnahmesituation akut zu schaffen macht und die/der sich ein offenes Ohrwünscht,   um   die   eigenen   Sorgen,   Ängste   und   Nöte   mitteilen   zu   können.   Meine Telefonnummer lautet: 01575-2462434. Denjenigen   unter   Ihnen,   die   sich   mit   mir   zusammen   auf   die   Suche   begeben   möchten, inwiefern Corona auch Positives für unser Leben bereithalten kann, lege ich die Dienstags-und Freitagsimpulse ans Herz, die über die nächsten Wochen regelmäßig an dieser Stelle erscheinen werden. Ich wünsche viel Inspiration beim Lesen.

Ihr/Euer Pastor Parvis Rahbarnia

 

 

Impuls zum 31.03.2020 aus der Reihe: „Corona und seine Chancen für uns…“

Am heutigen Dienstag soll einmal ein Gemeindemitglied der EFG Meerholz zu Wort kommen. Ich habe Adolf Bär (Jahrgang 1939) interviewt und ihn gefragt, wie er die Corona-Krise erlebt und wie er die gewonnene Zeit füllt. Eine Buch- und eine Hör-Empfehlung gibt es auch. Seien Sie/Seid gespannt… !

Interview mit dem Gemeindemitglied Adolf Bär

Adolf und Christel Bär (Foto: privat)

1) Wie nutzt du die corona-bedingte Isolation für dich in diesen Tagen? Was machst du vornehmlich oder gerne, was du vielleicht sonst nicht so gemacht hast oder machen konntest? Worauf musst du schmerzlicherweise verzichten?

Unsere Chorprobe am 12. März war nicht gut besucht und deshalb beschlossen wir, die weiteren Proben im März ausfallen zu lassen. Ich ahnte nicht, dass sich schon am nächsten Tag mein Leben grundlegend ändern sollte. Bis zu diesem Tag gab es nur einen Wochentag ohne wiederkehrende Termine und alle diese Termine gibt's seither nicht mehr.
Ich nutze die gewonnene Zeit für den Umbau unseres Hauses und helfe meiner Frau im Garten.
Nach "nur" zwei Wochen vermisse ich noch nichts, noch fühlt es sich an wie Urlaub. Aber ich ahne, dass da noch viel geschehen wird.
 
2) Was beschäftigt, sorgt dich in dieser Zeit am meisten? Welche Ängste kommen in dieser Zeit vielleicht besonders stark hoch?

Meine Frau und ich erleben unser 81. Lebensjahr und da ist natürlich die Angst vor einer Infektion.
 
3) Welche Chancen siehst du (für dich) in dieser Zeit?

Da ist vor allem die gewonnene Zeit, die ich jetzt neu nutzen kann zum Lesen und zum Lernen.
 
4) Was wünscht du dir für die nächste Zeit?

Ich wünsche mir, dass wir lernen, besser mit Gottes wundervoller Schöpfung umzugehen.

5) Ziehst du irgendwelche Schlüsse für dein Leben in der Zukunft nach der Corona-Krise?

Mein Leben geht zu Ende und diese Pandemie wird noch Jahre dauern.
 
6) Wie kannst du anderen in dieser Situation Halt geben? (anderen helfen hilft ja bei der eigenen Hilflosigkeit)

Wir alle müssen lernen, eine längere Zeitspanne mit diesem Corona-Virus zu leben und viele werden daran sterben. Aber der Tod gehört zu unserem Leben und ich fühle mich sicher in Gottes Hand.
 
7) Welche Idee hast du, wie man in dieser Corona-Zeit das Gemeindeleben noch gestalten könnte? Was wünscht du dir in dieser Zeit (Besonderes) von uns als Gemeindeleitung, von mir als Pastor?

Da gibt es bereits gute Ansätze. Ich liebe es, ein Thema von allen Seiten zu bedenken und die Gedanken der anderen Gemeindemitglieder dazu zu denken. Leider geht das in dieser Zeit nur mit Hilfe des Internets und leider sind da nicht alle erreichbar. Von der Gemeindeleitung und von dir als Pastor wünsche ich mir, dass ihr auch die Draußen-Stehenden mitnehmt.

Eine Leseempfehlung für alle, die bereit sind, sich auf ein Thema einzulassen:
„Die Wurzeln der Welt“ von Emanuele Coccia.


Eine Musikempfehlung für alle, die bereit sind, biblische Texte neu zu hören:
Chormusik von Arvo Pärt: „Vater Unser (Our Father)“
https://www.bing.com/videos/search?q=arvo+p%c3%a4rt%3a+vater+unser+(our+father)&docid=608013750669873093&mid=53CC1BEBEB088B1C216853CC1BEBEB088B1C2168&view=detail&FORM=VIRE

In Pärts Chormusik muss man sich erst einhören und diese Vertonung des Vaterunsers eignet sich gut dafür.

 

Impuls zum 24.03.2020 aus der Reihe: „Corona und seine Chancen für uns...“

Erkenne dich selbst! Ein Großstadtmensch besucht ein nordafrikanisches Dorf am Rande der Wüste. Beständig hört er Berichte der Einheimischen über einen Eremiten, einen Wüstenmönch, der schon seit vielen Jahren weit ab in der Abgeschiedenheit der Wüste lebt. Dieser Mönch scheint so etwas wie eine lokale Berühmtheit zu sein, die bewundert und oft als Seelsorger aufgesucht wird. So macht sich auch der Großstädter auf den Weg zu diesem Eremiten, um zu sehen, was diesen Menschen so faszinierend macht für die Menschen vor Ort. Schließlich erreicht er seine spärliche Behausung, eine alte, fast leerstehende Baracke, in der sich nur eine Schlafmatte befindet. Außerdem steht ein Brunnen vor der Hütte, an dem der Eremit gerade Wasser schöpft. Verwundert geht der Großstädter zu dem Mönchen und spricht ihn an: „Guter Mann, man sagt, du seist ein weiser Mann und jeder kommt zu dir, um von dir Rat zu erhalten. Ich verstehe das nicht. Wieso lebst du in dieser Armut und Abgeschiedenheit? Was hast du davon?“ Da antwortet der Wüstenmönch: „Mein Sohn, nimm ein paar Steine und schmeiße sie in den Brunnen!“ Verwundert kommt der Großstädter der Aufforderung nach. „Und nun schau hinein! Was erkennst du?“ „Nichts, ich sehe nur aufgewirbeltes Wasser!“ „Dann warte eine Minute und schau nochmal in den Brunnen!“ fordert ihn der Eremit auf. Der junge Mann gehorcht und schaut nach einer Minute nochmals in den Brunnen. „Und? Was erkennst du nun?“ fragt ihn der Eremit. „Ich erkenne mich selbst!“ „Siehst du“, entgegnet der Mönch ,„deswegen lebe ich abgeschieden in der Einsamkeit.

“Corona   zwingt   uns   in   die   Isolation   und   Abgeschiedenheit,   in   die   Einfachheit   und Entschleunigung. Vielen Verpflichtungen unseres überladenen Arbeitsalltages können wir nicht mehr eifrig nachgehen. „Rien ne va plus!“ – „Nichts geht mehr.“ Wir erleben in diesen Tagen zwangsweise das, was Mystiker wie jener Eremit in unserer Geschichte ganz bewusst suchen. Mystiker gibt es in allen Religionen. Es sind zutiefst religiöse Menschen, die ihren Blick nach innen richten. Sie begeben sich auf die Reise zum tiefsten Grund ihrer Seele mit dem Ziel, dort Schätze geistlicher Wahrheit zu entdecken, sich selbst zu erkennen und im Grunde Gott selbst zu finden. Die große „unio mystica“, die mystische Vereinigung bzw. Verschmelzung der eigenen Seele mit Gott, ist das letzte Ziel dieser mystischen Reise. Diesen Zustand mystischer Vereinigung kennt auch Jesus, wenn er z. B. in Johannes 10 sagt: „Ich und der Vater sind eins.“ Tatsächlich kommt der Begriff Mystiker von dem alt-griechischen Verb„ myein“, was übersetzt bedeutet: „Mund, Augen schließen“. Mystiker also schließen Mund und Augen, die auf die äußere Wirklichkeit gerichtet sind. Sie halten inne, werden stumm und still, um Augen und Ohren frei zu bekommen für die eigene Seele, um dort Fremdes und Eigenes auseinanderhalten zu können. Einsamkeit und Isolation, Enthaltsamkeit und Entschleunigung erleben zu müssen, macht viele von uns ratlos und nervös. Wir sind es gewohnt, abgelenkt und beschäftigt zu sein mit Dingen, die von außen auf uns einprasseln wie Steine in Wasser, die wir zu erledigen haben, die man von uns erwartet. Und die omnipräsente Werbung flüstert, schreit (!) uns über alle möglichen Kanäle zu, was wir unbedingt brauchen, um glücklich zu sein. Besser: Wer wir sein müssen, um andere (die Werbeindustrie) glücklich zu machen. Wir sind stolz auf unsere durch-digitalisierte Welt mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten. Distanzen in Raum und Zeit schrumpfen auf einen Nullpunkt zusammen. In immer kürzerer Zeit „schaffen“ wir immer mehr. Und in Echtzeit halten wir mit Menschen Kontakt, die sich auf der anderen Seite des Erdballs befinden. Doch diese technisch bedingte „Glückseligkeit“ hat auch ihre Schattenseiten. Ja, bewirkt oft sogar   das   Gegenteil   von   dem,   was   sie   eigentlich   erreichen   will:   Desinformation   und Halbwissen statt Aufklärung, Halbherzigkeit und Dilettantismus statt Qualitätssteigerung, Herzinfarkt und Burn-Out statt Stressreduzierung. Untersuchungen haben herausgefunden,  dass in den letzten Jahrzehnten die durchschnittliche Sprechgeschwindigkeit von Menschen um 10% gestiegen ist! Manchmal scheint mir fast, die moderne Welt mit ihren immer ausgefeilteren technischen Möglichkeiten ist uns eher zum Fluch als zum Segen geworden: Wir werden permanent abgelenkt, vollgestopft und verführt. Werden dadurch aufgewühlt, übersättigt und sind unentwegt auf der Flucht vor uns selbst. Im Trubel von Zeit und Raum verlieren wir den Kontakt zu uns selbst, wissen nicht mehr, wer wir eigentlich sind. Sehen wir es doch mal so: Corona zwingt uns nicht zur Isolation und Abgeschiedenheit, zur Einfachheit   und   Entschleunigung.   Corona   ermöglicht   uns   Konzentration   und Qualitätssteigerung. Corona bedeutet eine Chance, innezuhalten und sich neu zu justieren. Den Blick nach innen zu richten, das eigene Leben unter die Lupe zu nehmen und sich selbst in aller Klarheit neu zu erkennen: „Wer bin ich eigentlich? Was will ich wirklich? Was ist Last und Ballast in meinem Leben? Wieviel Klopapier brauche ich tatsächlich zum Leben? “Corona macht uns im besten Fall zu Mystikern, zu geistlichen, heiligen Menschen, die zur Ruhe kommen und gesund werden, weil sie sich neu in aller Klarheit erkennen und das Ebenbild Gottes in sich entdecken können.

Nutzen Sie die Chance und vielleicht wird nach dieser Krise ja zur guten Gewohnheit, was jetzt noch Ausnahme ist...

Es grüßt herzlich Ihr/Euer Pastor Parvis Rahbarnia

 

Impuls März 2020

Das Maß aller Dinge…

Veränderungen sind schön. Sie sind eine Chance für Wachstum. Daher wünsche ich sie allen meinen Mitmenschen um mich herum. Ich bete darum, dass Gott sie durch seinen Geist verändern möge und ihnen entsprechende Einsichten schenkt. Dem drängelnden Idioten hinter mir die Einsicht, dass er zu schnell fährt, dem Trottel vor mir, dass er den ganzen Verkehr aufhält. Meinem Nachbarn zu Linken, dass er einen Putzzwang hat, und meinem Nachbarn zu Rechten, dass er mal ein bisschen mehr sauber machen könnte. Greta Thunberg, dass sie eine ökologische Fanatikerin ist, und Donald Trump, dass er eine Umweltsau ist. In der Tat, die Menschen in der Welt brauchen Gottes erlösende Einsichten. Aber nicht nur die! Auch viele Geschwister in unseren Gemeinden! Die faule Schwester hinter mir die Einsicht, dass sie tot im Glauben ist und mehr heiligen Geist braucht, der übereifrige Gemeindebruder vor mir, dass er aus Werkgerechtigkeit handelt und den Geist der Demut benötigt. Der Fromm-Konservative zu meiner Rechten, dass er gesetzlich und selbstgerecht ist, der Liberal-Freizügige zu meiner Linken, dass Gott ihn wieder auf den Weg der Rechtgläubigkeit führen müsse. Wie gut, dass ich selbst so ausgewogen bin und fromm-erhaben in der Mitte schwebe. Wären doch alle so wie ich! ICH – das Maß aller Dinge, das perfekte Mittelmaß! Ich danke Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen um mich herum. An mir möge Er sich orientieren, wenn er die Mitmenschen um mich herum verändert. –

Es grüßt euch herzlich euer Pastor Parvis Rahbarnia

© Parvis Rahbarnia