„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt“                   Hiob 19,25

Ich liebe Biographien, Geschichten, die ehrlich vom Auf und Ab eines Lebens erzählen und wie diese Menschen es gemeistert haben, nicht daran zu zerbrechen. So eine „Story“ ist auch das biblische Buch Hiob. Der fromme, wohlhabende, gesunde und mit einer großen Familie gesegnete Hiob bekommt in seiner Lebensmitte eine schlechte Nachricht nach der anderen (die sprichwörtlichen Hiobsbotschaften). Er verliert alles. Zu Beginn kommentiert er noch tapfer „Der Herr hat`s gegeben, der Herr hat´s genommen, der Name des Herrn sei gelobt“. Als es dann aber auch um seine Gesundheit geht, verflucht er den Tag seiner Geburt. In endlosen Reden verteidigt er sich und beteuert vor Gott und Menschen seine Unschuld, das hat er doch nicht verdient. Dennoch formuliert er den bemerkenswerten Satz „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ und will die Worte sogar als Inschrift in einen Felsen meißeln lassen. Hiob behauptet das gegen allen Augenschein mitten in Krankheit und Verlust und verlässt sich trotzig auf seinen Retter (und das obwohl er als Figur des Alten Testamentes Jesus noch gar nicht kennt).

Genau über dieses trotzige „trotzdem“ schreibt Jürgen Mette in dem Blättchen „besinnliche Gedanken zum Ewigkeitssonntag und Allerheiligen“ (Stiftung Marburger Medien, Best.Nr. SO13), das sich im Novembergrau sehr gut zum Weitergeben eignet. Der Autor (selbst an Parkinson erkrankt) plant, dass Hiobs Bekenntnis „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ später auf seinem Grabstein zu lesen sein soll. Dieses Wort passt auf ein kleines Kreuz, dafür braucht es kein Monument, sagt er. Er räumt ein, dass er die Umstände seines Lebensendes nicht kennt (umsorgt oder einsam, plötzlich oder langsam, verwirrt oder klar …) und dass ein „Warum?“ nicht tröstet. Auf alle seine Fragen ist das die klare Antwort: „Jesus schenkt ewiges Leben“. 

Zurück zu Hiobs Geschichte … Nach langem Hin- und Her-Philosophieren mit seinen Freunden über den Sinn des Lebens und des Leides, bekommt Hiob eine Antwort von Gott selbst, die ganz anders ausfällt als gedacht: „Ich bin der Allmächtige, wer will mit mir diskutieren“ (frei übersetzt). Diese persönliche Gottesbegegnung verändert alles. Hiob versteht plötzlich, dass eben nur Gott in seiner unendlichen Größe und Weisheit alle Lebenswege der Menschen kennt. Es wird erzählt, dass Hiob endlich demütig anerkennt, dass Gott das ganze Universum mit seinen geheimnisvollen Zusammenhängen erschaffen hat und erhält, dass er da sozusagen gar nicht mitreden kann. Hiob bekennt, dass er Gott vorher nur vom Hörensagen kannte. Ab jetzt will er einfach staunend Gottes Größe anerkennen.  Daraufhin segnet Gott Hiob ganz neu, mit Gesundheit, Wohlstand und einem langen Leben. Alles hat sich durch diesen Blickwechsel verändert, jetzt bittet Hiob sogar für seine Freunde.

„Aber ich weiß dass mein Erlöser lebt“  - ein so mutiges (Glaubens-)Bekenntnis wünsche ich allen Lesern in allen Lebenslagen, in guten und in schlechten Tagen.

Ulli Prager